Dortmund Tag 18 / Ausbilder als Gewerkschafter?

Bewaffnet mit Zollstöcken,Bleistiften und leckeres Eis am Stiel überfielen Sebastian Zöppel, Sekretär der IG BAU und ich ein letztes Mal den Lehrbauhof in Dortmund. Ein letztes Mal für mich die Gelegenheit mit Ausbildern und Auszubildenden zu sprechen.

Sehr zu meiner Freude zeigten die jungen Kollegen, 1. Lehrjahr rege Interesse zur Gewerkschaft und die Themen waren nicht nur die Löhne, Urlaubsgeld, Anspruch auf Weihnachtsgeld  sondern auch die Wichtigkeit jedes einzelnen mit einem Beitritt zur Gewerkschaft die Zukunft mitzugestalten.

Sehr inspirierend auch das Gespräch mit den Ausbildern mitunter über den Berufsleistungsvergleich, eine Art Zwischenprüfung ohne Benotung der gemeinsam mit Ausbildern der Lehrbauhöfe, Berufschullehrern und der Gewerkschaft entwickelt wurde. Fragen natürlich zum Beruf aber auch zu Politik, Allgemeinwissen und gewerkschaftliche Interessen sollten den Auszubildenden auf die Abschlußprüfung vorbereiten. Ein weiteres Hilfsmittel um die guten Kontakte zu den Ausbildern zu pflegen.

Zu meinem positiven Erstaunen geht der gute Kontakt so weit, daß einzelne Ausbilder oder Lehrmeister bei den Beitritt zur Gewerkschaft behilflich sind. Oft haben die Azubis nicht alle Daten bei sich um eine Erklärung vollständig auszufüllen, dies übernehmen dann die Ausbilder in den kommenden Tagen und so kommt es auch vor daß so manch unschlüssiger bei seinem Lehrmeister doch einen Gewerkschafts-Beitritt unterschreibt.

Die Ausbilder sind oft selbst Arbeitgeber und dennoch kooperieren Sie mit der Gewerkschaft um auch in Zukunft gut ausgebildete Facharbeiter zu finden. Nur Berufe die gut abgesichert sind und gute Löhne enthalten sind  für die Leute interessant um auch in der Zukunft Personal und zwar gut ausgebildete Facharbeiter zu finden.

Dortmund Tag 17 / Auf zur Baustelle

Nach dem Frühstück Besichtigung von Baustellen und ein Betriebsbesuch gemeinsam mit Sebastian Zöppel, Sekretär im Bauhauptgewerbe der IG BAU Dortmund.

Eine erfrischende Szene aus der Praxis auf einer Baustelle: Ein Lehrling im 1. Lehrjahr wird von Sebastian über die gewerkschaftliche Sinnhaftigkeit informiert und schon die Arbeitskollegen erklären dem Azubi die Wichtigkeit einer Mitgliedschaft als einer der Poliere lauthals schreit “ Junge wenn Du nicht augenblicklich den Beitritt unterzeichnest brauchst heut Abend gar nicht mit nach Hause fahren “ Der Polier ist tatsächlich der Vater des Lehrlinges und seit über 30 Jahren Mitglied der IG BAU und legt sehr großen Wert auf die gewerkschaftliche Organisation seiner Partie – einfach nur herrlich!

Überraschend für mich der Betriebsbesuch Nachmittags. Eine Rohrleitungs-Baufirma in Dortmund, keine Mitgliedschaft zur Innung und daher auch keine Tarifliche Bindung.

Überraschend deswegen da uns der Geschäftsführer sehr freundschaftlich begrüßte und uns gemeinsam mit dem Betriebsrat bei Kaffee und Kuchen zu einem Gespräch einlud. Es folgte eine sachliche Diskussion über die Wichtigkeit eines Betriebsrates, Betriebsvereinbarungen und auch Tariflöhne. Denn obwohl keine Verpflichtung bezahlt der Geschäftsführer die Tariflichen Löhne, bei einem Mangel an Arbeitskräften in der Baubranche bleibt auch nichts anderes übrig wenn man gutes Personal halten möchte. Denn nur bei guter Entlohnung kann auch gute Leistung erwartet werden.

Wer Mercedes fahren will muß auch Mercedes bezahlen und nicht Trabbi!

Dortmund Tag 16 / Last Week

Heute Tag der Büroarbeit mit Nachbesprechungen über den 1. Mai und den Kundgebungen in der Region Westfalen.

Danach Teambesprechung zum Thema Berufschulen und Lehrbauhöfe mit den zuständigen Sekretären der Region. Besprochen wurden die Besuche in den Schulen und die Ausflüge mit den Klassen.

Zur besseren Planung und Koordination im Vorfeld sollen die Sekretäre ein Programmheft zusammenstellen mit den Betrieben welche für Schulausflüge geeignet sind. Diese Betriebe sollten in Zusammenhang mit den jeweiligen Lehrberufen stehen und für die Auszubildenden auch einen Lehreffekt haben.

Weiters ein wichtiges Anliegen zum Thema Ausflüge: Im Vordergrund muß der Zweck einer Bildungsreise sein und das gewerkschaftliche Anliegen hat nur eine passive Bedeutung. Der Kontakt zu den jeweiligen Berufschul-Leitungen und Lehrern soll weiterhin auf einer soliden Basis gepflegt und intensiviert werden. Die Mitgliederwerbung soll auch weiterhin im Hintergrund stattfinden und dies passiert sehr erfolgreich was die aktuellen Zahlen bestättigen.

Weitere Themen die Bestellung von „Give away’s“ für die Azubis und Flyer die auf die Jugendlichen Interessen abgestimmt sind.

Sehr gut hat sich der Einsatz des Info-Buses zur Mitgliederberatung und speziell zur Werbung der Gewerkschaft entwickelt. Verbesserungen am Wagen und Aufrüstungen wurden beschlossen um auch in Zukunft weiterhin erfolgreich auf Berufschulen-Tour fahren zu können.

 

Dortmund 15 / Tag der Arbeit

Treffpunkt Stadtplatz und gemeinsam mit der IG BAU Jugend Abmarsch in Richtung Westfalenpark der circa 2 km entfernt liegt. Herrlich der Einzug mit Pauken und Pfeiffen durch die Menschenmassen vorbei an den zahlreich aufgebauten Info- und Stärkungs-Ständen der Gewerkschaften und Organisationen direkt in den Kundgbungsplatz wo wir gebührend empfangen wurden. Nach den Ansprachen teilten sich die Kollegen und Kolleginnen auf den Park auf und es herrschte eine Festtagsstimmung im anschließenden Familienfest.

Als Highlight zum Tag der Arbeit eine bewegende und mitreißende „Brandrede“ von Carsten Burckhardt, Bundesvorstandsmitglied der IG BAU zur Problematik der Mindestlohnabdeckung und der daraus folgenden Tarifflucht, auch die Arbeitgeber wurden Ihrer Pflichten ermahnt und was mir persönlich sehr imponierte auch hier in Deutschland ein Thema: Die zu geringen Steuerbeiträge der Millionäre!

Beinahe zum bemitleiden die armen Millionäre – aber nur beinahe 😉

 

Dortmund Tag 14 / Gewerkschaftlicher Berufschulen-Ausflug

Treffpunkt 7:00 Uhr vor dem Büro der IG BAU in Dortmund. Bei einer schnellen Tasse Kaffee wird noch einmal der Tagesablauf besprochen und schon geht es mit einem 50 Sitzer zur Berufschule. Begleitet von 2 IG BAU Sekretären und 3 Berufschullehrer geht es mit den Burschen und Mädchen der Berufschule der Maler, Lackierer und Tapezierer los nach Wuppertal und vorher noch zu einer großen Tapeten-Firma-Besichtigung.

Sinn dieser gemeinsamen Fahrt ist einerseits den guten Kontakt zur Schule-Leitung zu pflegen um auch zu zeigen daß man sich um die Jugendlichen abseits des Arbeitsleben bemüht.

Anderseits möchte man den Jugendlichen ein Gefühl des Zusammenhaltes vermitteln. Darüber hinaus findet sich immer wieder Zeit um auf Probleme der Teenies einzugehen und auch um zu beraten.

Ich hatte die Gelegenheit mit einigen der jungen Kollegen und Kolleginnen über gewerkschaftliche Themen zu sprechen und bin verblüfft über das Bewusstsein über die Wichtigkeit der Organisation um in einer großen Gemeischaft die Interessen der Zukunft zu erkämpfen. Eine Bewusstseinbildung die einen guten Weg erhoffen läßt.

So freue ich mich auf Morgen um gemeinsam mit dem Jugendblock der IG BAU durch Dortmund zu maschieren  um mit Ihnen im Westfalenpark den Tag der Arbeit zu feiern.   Freundschaft und Glück Auf

 

 

 

Dortmund der 13. / Der 1. Mai naht

Heute Vorbereitungstag für den 1. Mai und die dazugehörenden Aufmärsche. Kampagnenabsprache mit den Sekretären und Verteilung der druckfrischen Infomaterialien in der Region Westfalen und im Bezirk Dortmund.

Am Weg zu den Sekretären ein Besuch eines ehemaligen Betriebsrates aus der Baubranche und mit einem stolzen Alter von 88 Jahren immer noch für die IG BAU im Ehrenamt tätig. Ein Gewerkschafter mit Leib und Seele. Gerne nahmen wir uns die Zeit um mit dem Kollegen über die Entwicklung der Gewerkschaft, der Baubranche und über die “ gute alte Zeit“ zu philosophieren. Eine interessante Nostalgie-behaftete Reise in die Nachkriegszeit, des Wiederaufbaues, des Baubooms und auch der gewerkschaftlichen Hoch-Zeit.

Die gute alte Zeit eben, heute blieb im Ruhrgebiet davon nicht mehr viel übrig, ein Kampf um Tarifliche Abdeckung, Mindestlöhne an der und unter der Armutsgrenze und ein Entgegenwirken der Altersarmut stehen am Tagesprogramm. Ein Kampf um jede Mitgliedschaft und auch der eigenen Bereitschaft die Zukunft mitzugestalten. Ein Kampf der alleine nicht zu gewinnen ist, organisiere Dich in Deiner Gewerkschaft denn nur Gemeinsam sind wir stark!

Dortmund Tag 12 und die Berufschulen

Sehr interessanter und aufschlussreicher Tag heute in Münster, Region Westfalen.

Sebastian Zöppel als zuständiger Sekretär der IG BAU und ich waren zu Gast in der Berufschule in Münster. Sebastian hat hier nicht nur Zutritt zur Schule, er darf auch in den Klassen über die Gewerkschaft informieren und über die Probleme der Azubis diskutieren und auch beraten. Dazu wurde mit dem Lehramt vor Ort vereinbart daß es Mitgliederwerbung nur in der schulfreien Zeit, also in den Pausen oder am Schulhof gibt.

Heute waren wir in den 3. Klassen der Zimmerer die kurz vor der Abschlußprüfung stehen und somit auch vor dem weiteren Einsatz als Facharbeiter sofern die jungen Kollegen auch übernommen werden denn von den insgesamt 41 Schülern heute werden nur 14 in Ihren Betrieben auch weiterbeschäftigt.

Die Übernahmen waren auch heute Themen der gewerkschaftlichen Unterrichtseinheit. Weiters wurde informiert über die zustehenden Löhne als Facharbeiter aber auch die Mindestlöhne für Nichtmitglieder der IG BAU, Fragen zum Arbeitsvertrag und den Verbrauch des Resturlaubes wie auch Verfallsfristen über noch nicht ausbezahlte Ansprüche. (Frist von nur 3 Monaten)

Leider heute keine Neuanmeldungen – ist auch nicht möglich bei 100% Organisation der heutigen Klassenbesuche.

Für alle die es nicht glauben können, ihr habt richtig gelesen – Unterrichtseinheit der Gewerkschaft in der Berufschule!!

Dortmund Halbzeit

Zurück im Bauhauptgewerbe gleich wieder in eine für mich neue Branche, ein Ausflug zur Schilder und Lichtreklametechnik.

Bundesweit 20.000 Beschäftigte aber die Hälfte davon sind Ich Ag oder Ein-Mann/Frau UnternehmerInnen und dazu kommen noch Beschäftigte Familienmitglieder. Ein schwieriges Unterfangen Mitglieder zu werben und dementsprechend wenige Gewerkschaftszugehörige.

Nun wurde auch der Tarifvertrag aufgekündigt, aber anders als bei den GebäudereinigerInnen diesmal von der Gewerkschaft! Ziel dieser Aktion ist es dadurch den Druck auf die Innung der Arbeitgeber zu erhöhen um in den folgenden Tariflohnverhandlungen Erhöhungen abzuschließen und auch um neue Mitglieder zur IG BAU zu gewinnen.

Ein fehlender Tarifvertrag und seit 2003 der Wegfall der Meisterpflicht würde eine Schwächung der Innung bis hin zum (Preis-) Verfall der Branche bedeuten. Dieser Umstand zwingt die Arbeitgeber zu Verhandlungen und als Ersten Erfolg dürfen die Sekretäre in den Berufschulen und Lehrbauhöfen die Lehrlinge über die Gewerkschaft aufklären und auch werben.

Die IG BAU Ihrerseits kann so den Organisationsgrad von derzeit mageren 2% auf ein Vielfaches steigern welches auch eine Voraussetzung für neue Verhandlungen ist. So kommen auch die zu vertretenden Mitarbeiter in Druck sich der eigenen Verantwortung zu stellen und mit Hilfe der Gewerkschaft die Zukunft zu gestalten.

Um dies den Kollegen zu erklären und über die Situation zu informieren besuchten wir heute die Betriebe in der Region Westfalen mit dem Ergebnis einer bevorstehenden BR-Wahl, neuen Mitgliedern und vor allem den Bewusstsein selbst mitzugestalten worauf sich 3 Kollegen dem Bundesweitem Verhandlungsteam angeschlossen haben.

Meine Bewunderung gilt dem IG BAU Sekretär Sebastian Zöppel für seine Beharrlichkeit, seinem Engagement und vor allem seiner überzeugenden und ansteckenden Gewerkschaftseuphorie. So gewinnt man Mitglieder und das Nachhaltig.

Detail am Rande, Sebastian besuchte die Europäische Akademie der Arbeit – Ausbildung lohnt sich!

Dortmund meets Düsseldorf Tag 10

Kurzbesuch in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen in der Rheinmetropole Düsseldorf.

Ich durfte als Gast einer Verhandlung am Arbeitsgericht zuhören und nach einigen Minuten lief es mir bei der „Urteilsverkündung“ eiskalt über den Rücken.

Eine Gebäudereinigerin hatte Ihren Arbeitgeber geklagt, da dieser den Stundenlohn auf deutlich unter Tariflohn gekürzt hatte. Da die Dame aber einen Neuen Arbeitsvertrag mit eben diesem Lohn unterschrieben hatte und in Deutschland Individualrecht vorgeht, wurde die Klage nach dem Motto „alt genug um zu wissen was man unterschreibt“ abgewiesen. Auch bei einer eklatanten Verschlechterung geht Individualrecht vor Tarifvertrag!

Die Dame hatte zu Ihrem Glück eine private Rechtschutzversicherung damit wenigstens die Anwaltskosten gedeckt sind, um einer Unterentlohnung zu entgehen hilft nur kündigen oder ein Gewerkschaftsbeitritt.

Nur ein Beispiel wie wichtig Gewerkschaften sein können und aus aktuellem Anlaß die Wichtigkeit der Arbeiterkammern in Österreich – Schönen Gruß ins Parlament

Dortmund der 9.

Start im Büro und gleich ein interessanter Anruf einer Reinigungsdame die Mitglied der Gewerkschaft werden möchte.

Keine Unbekannte für die IG BAU wie sich herausstellte, die Dame war schon mehrmals der Gewerkschaft beigetreten. Sobald die Probleme zur Zufriedenheit der Dame gelöst wurden war auch eine Mitgliedschaft nicht mehr länger von Nöten.

Nun stellt sich die Frage ob man jede Person aufnehmen sollte die nach getaner Arbeit und erfolgter Hilfestellung der Gewerkschaft den Rücken kehrt, zumindest so lange bis zu den nächsten Schwierigkeiten und dann erwarte ich nach einer neuen vorhersehbaren Kurzmitgliedschaft prompte Hilfe. Und wenn nicht ist eben die Gewerkschaft Schuld!

Eine gute Lösung bietet dazu die IG BAU in Form eines Vertrages zur Mitgliedschaft auf Bestimmte Zeit.

Sehr erfreulich hingegen die Betriebsbesuche am heutigen Tag in Pflegeheimen und Firmen. Nach Gesprächen mit den Betriebsrätinnen herrscht Streikstimmung zu den bevorstehenden Verhandlungen, und eine Zusage der Belegschaften zu Kampfmaßnahmen.

Resultat des heutigen Tages 14 Neumitglieder mit Hilfe des Praktikanten der wie ein Bayer spricht – „Ois Daun Pfiat Di“