Betriebsbesuch Vauxhall

Heute war wohl einer der faszinierendsten Tage meines Europapraktikums im Rahmen meiner Ausbildung der Sozialakademie.

Um 9 Uhr traf ich John Lea (Bildungsbeauftragter von UNITE Manchester) und gemeinsam fuhren wir zur Produktionsstätte von Vauxhall (Opel) die ca. eine halbe Stunde Autofahrt von Liverpool entfernt liegt. Dort angekommen mussten wir uns in einem Computer aus Sicherheitsgründen registrieren. Danach sahen wir ein zehn minütiges Sicherheitsvideo, dass jeder Besucher und Besucherin zuvor ansehen muss. Darin wurde erklärt in welchen Bereichen wir sich bewegen können, was im Falle eines Brandes zu tun ist und aus Angst vor Betriebsspionage Kameras bzw. Filmmitschnitte strikt verboten sind. Nach der kurzen Einschulung holte uns ein Gewerkschaftsrepräsentant ab und wir folgten ihm quer durchs Gelände zu einer unglaublich großen Halle.


. Im vorderen Bereich waren die Teile von Zulieferern wie z.B. Scheinwerfergehäuse oder Motoren von General Motors. Im hinteren Teil der Halle war das Herz der Produktionsstätte mit riesengroßen Laufbändern die unzählig viele Teile transportierten. Gegliedert in überschaubaren Einheiten, wo Menschen mit hochtechnisierten Maschinen die Teile zu fertigen Autos zusammenbauten. Am Anfang des Produktionsbands sah ich noch die nackte Karosserie die frisch aus Stahl gepresst wurde. Im nächsten Schritt wurden Kabeln, die zuvor in Öfen zu Verbesserung der Biegsamkeit erwärmt wurden, eingebaut. Nach der Elektronik wurde das Cockpit und die Sitze installiert. Die Türen sowie die passenden Reifen wurden von darüber liegenden Stockwerk mittels eines weiteren Laufbands befördert und von Technikern und Technikerinnen verarbeitet. Die Front- und Heckscheibe wurde vollautomatisch von einer Maschine eingesetzt. Die Qualitätsprüfung der fertigen Autos hat mir am besten gefallen. In einem kleinen Raum wurde ein Auto nach dem anderen von Spezialisten und Spezialistinnen getestet. Besonders aufregend war der Test des Fahrverhaltens, welches bei 120 km/h auf Rollen geschah.


Nach der eindrucksvollen Führung trafen wir die anderen GewerkschaftsvertreterInnen in ihrem Büro im zweiten Stock. Vauxhall weist in Manchester einen 100 prozentigen Organisationsgrad bei 2000 MitarbeiterInnen vor. Stolz wurde mir die Ausbildungsstätte gezeigt, die erst seit fünf Jahren aufgrund der Gewerkschaft besteht. Sie ist direkt vor Ort und war ein Erfolg einer zuvor jahrelangen Forderung von UNITE. Neue MitarbeiterInnen brauchen keine spezielle bzw. hochwertige Ausbildung um hier einen Job zu bekommen. Dies wird alles in der Bildungseinrichtung geschult. Mittlerweile hat Vauxhall eine so hochwertige Ausbildungsqualität, dass MitarbeiterInnen ohne Probleme in Mutterkonzerne wechseln können und eine Nachfrage von anderen Automobilkonzernen besteht.

Nach einem kurzen Kaffee verabschiedeten wir uns und wurden zum Ausgang des Geländes begleitet.

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Manchester May Day Festival 2015

Am zweiten Mai konnte ich im Rahmen meines Europapraktikums der Sozialakademie beim Manchester May Day Festival 2015 dabei sein.Booklet


Um halb elf fuhren John Lea, der Bildungsbeauftragte von UNITE Manchester und ich von Salford nach Manchester Picadilly zum „Mechanic Institute“ der Gewerkschaften. Dies ist ein altes Museum im Besitz einiger Gewerkschaften und wird hauptsächlich für Veranstaltungen genutzt. Nach einen kurzen Kaffee ging zu den Vorbereitungsarbeiten. Ein riesiger Saal wurde mit Banner und Pin-ups geschmückt. Um die technischen Details wie Beamer, Lautsprecher, Laptops und Mikro´s konnte ich mich kümmern. Beim Eingang platzierten wir einen Tisch mit Flyer, Gewerkschaftsabzeichen und politischer Literatur.Flyer Danach ging es in ein kleines Pub um die Ecke zur Vorbesprechung. Dort trafen wir den Chef der Gewerkschaft UNITE Liverpool und zwei seiner Mitarbeiter. Kurz vor zwölf machten wir uns auf den Weg zu den Picadilly Gardens wo der Maiaufmarsch startete. Dort angekommen warteten schon einige Mitglieder anderer Gewerkschaften und Mitglieder von UNITE. Um viertel eins war es dann soweit. Mit lautem Trommelwirbel und imposanten Arbeiterchören marschierten eine Vielzahl von Arbeitern, Angestellten, Gewerkschaftern und politischen Aktivisten durch die Stadt. Friedlich zogen wir durch die Straßen mit Fahnen, Pfeifen und unseren lautstarken Stimmen. Das Gefühl der Gemeinschaft der Arbeiterklasse war unbeschreiblich.March 1March 2

Nach einer dreiviertel Stunde endete der Marsch beim Mechanic Institute, wo alle Gewerkschaften in verschiedenen Räumen ihren repräsentativen Beitrag in Form von Diskussionen, Vorträgen, Liedern, Vorlesungen oder Filmen zum Besten gaben. UNITE hatte sich für eine Präsentation entschieden, welche berühmte Persönlichkeiten wie Frank Sinatra, Louis Armstrong oder Aretha Franklin zeigte und wie sie mit ihren kulturellen Beiträgen die Gesellschaft und die Politik der Gewerkschaften beeinflussten. Wichtig ist mir dabei zu erwähnen, dass all diese Menschen antifaschistischen Bewegungen angehörten. Damit wurde der Bezug zur Gegenwart hergestellt und präsent gemacht wie wichtig es ist gegen nationalistische bzw. rechtsextreme Strömungen (UKIP, FPÖ,…) zu kämpfen und sich nicht „auseinanderdividieren“ zu lassen.


Für mich war es eine unglaubliche spannende Erfahrung beim Manchester May Day Festival dabei sein zu können.

March 3

Door-Knocking with the Labour Party

Am Sonntag hatte ich die Möglichkeit im Rahmen meines Europapraktikums der SOZAK mit Veronica Bennertt, der regionalen Spitzenkandidatin der Labour Party “Hausbesuche” durchzuführen. Mit einem Team von 10 Leuten trafen wir uns im Büro der Labour Party. Bevor es los ging, druckten wir uns einen Stadtplan von der Umgebung. Ein Einwohnerverzeichnis wurde auch ebenfalls besorgt, damit wir Unterstützer markieren konnten, um sie am Tag der Wahl nochmals anzurufen. Bei Personen die sich noch nicht entschieden haben, wem sie am 07.05.2015 ihre Stimme schenken, wird in den nächsten Tagen ein Informationsschreiben geschickt. Dies soll alle Forderungen der Labour Party erklären wie z.B. die Abschaffung der „Bedroom-tax“ oder das Bekämpfen der „Zero-hour-contracts“.


 

Als Vorgabe hatten wir drei Fragen zu bei jeder Diskussion zu platzieren:

  1. Gehen Sie am 07.05.2015 wählen?
  2. Welcher Partei haben Sie bei der letzten Wahl Ihre Stimme geschenkt?
  3. Wem werden Sie voraussichtlich Ihre Stimme geben?

Die ersten zwei Türen begleitete ich John Lea, dem Bildungsbeauftragten von UNITE Manchester, da ich noch unsicher war. Ich hatte zwar in Österreich mit der sozialdemokratischen Partei solche Hausbesuche erfolgreich absolviert, jedoch nur in meiner Muttersprache. Bei der ersten Türe läuteten wir an der Haustüre. Da beim ersten Anlauf niemand öffnete, hinterließen wir einen Flyer im Postkasten. Bei der zweiten Türe öffnete eine junge Frau die Türe. Nach ein paar Sätzen stellte sich heraus das sie Krankenschwester in einem öffentlichen Spital war. Mit einem Lächeln im Gesicht verriet sie uns selbstverständlich die Labour Party seit Jahren zu wählen und dies auch bei der anstehenden Wahl zu tun. (Eine Forderung der LP lautet: an national health system with the time to care) Ab der nächsten Türe versuchte ich allein mein Glück. Bei sieben Personen schaffte ich es sogar, dass die Personen ein Poster von der Labour Party auf ihr Fenster klebten. Die lustigste Antwort bei einem jungen Mann war: I´m going to vote the aliens.


 

Wie in Österreich waren die Personen, die mir gegenüberstande   n sehr freundlich. Selbst als sie mir offenbarten UKIP oder die Tories zu wählen. Beleidigungen oder zugeschlagene Türen erlebte an diesem Tag niemand. Bei einer Türe, wo offensichtlich niemand zu Hause war, zwickte mich ein Hund in den Finger als ich den Flyer in den vorgesehen „Briefschlitz“ werfen wollte. Nach drei Stunden gab es ein Reflexionsgespräch in einem Pub. Veronica bedankte sich für unsere Unterstützung. Dies war eine unglaublich spannende Erfahrung für mich, die ich nur jeden politischen Aktivisten raten kann.

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Do you know Mike Ashley ?

Vom einfachen Sportgeschäft zum Multi-Millionär?

Auch in Österreich sind „Self-Made Millionäre“ hoch angesehen. Selbst Frank Stronach, der einen peinlichen Auftritt mit senilen Beigeschmack nach dem anderen hinlegt, wird nicht nur hohe wirtschaftliche Kompetenz zugesprochen- nein, in vielen Kreisen auch der rote Teppich ausgerollt.


Mike Ashley ist genauso ein Multi-Millionär aus Großbritannien. Auch er hat mit einem kleinen Sportgeschäft angefangen und „arbeitete“ sich reich. Innerhalb kürzester Zeit explodierten die Profite und aus dem kleinen Sportgeschäftsbesitzer wurde ein Großkapitalist. Mittlerweile gehört sein Unternehmen Sports Direct zu den größten Sportartikelgeschäften der Welt. Weiterhin ist er Eigentümer von Newcastle United und auch dabei sich die F.C. Rangers anzueignen. Das Forbes-Magazin stufte ihn 2012 als 15. reichster Brite mit einem geschätzten Vermögen von 1,5 Milliarden Pfund ein.


 

Sie stellen sich bestimmt die Frage:

„Wie ist dies möglich? Wie wird jemand in solch kurzer Zeit so reich? Warum wird er von den Newcastle Fans gehasst?

Ich bin dieser Frage nachgegangen und bin auf einige Antworten gestoßen.

Kennen Sie „Zero-hour-contracts“ ?

Als österreichischer Arbeitnehmer wird dieses Modell eher unbekannt sein. (Der Gewerkschaft sei Dank!)


 

„Zero-hour-contracts“ sind Arbeitsverträge auf Abruf für „Teilzeitbeschäftigte“. Sie sind eine Folge des liberalisierten Arbeitsmarkts in Großbritannien und Symbol des freudlosen Wirtschaftsaufschwungs. Krankengeld gibt es keines und Urlaubsgeld sehr selten. Weiterhin ist es fast unmöglich seine Freizeit bzw. seinen Urlaub zu planen, da jederzeit das Telefon läuten kann und ein Arbeitseinsatz gefordert wird. In einem Interview in der Frankfurter Allgemeine erzählt eine Arbeitnehmerin mit solch einem Vertrag von den dramatischen Zuständen. Ein Monat hat sie 16 Stunden und im nächsten Monat über 40 Stunden zu arbeiten. Um sich das tägliche Leben leisten zu können, muss sie mit mehreren solcher Jobs jonglieren. Arbeitgeber wie McDonalds rühmen sich mit einer hohen Beschäftigungszahl. Bei 2 Stundenschichten pro MitarbeiterIn am Tag ist dies auch kein Wunder. Wenn ein(e) MitarbeiterIn den Abruf des Chefs nicht nachkommen kann (warum auch immer z.B. Krankheit, Pflege, Kinder,…) oder sich über den Mangel an Stunden beschwert, werden Stunden gestrichen und somit ein drastischer Einschnitt in den monatlichen Bezug stattgegeben.


 

In dem Unternehmen Sports Direct das 23.000 ArbeitnehmerInnen zählt sind 90 % aller MitarbeiterInnen auf Basis solcher Verträge angestellt. Ausbeutung wie hier beschrieben ist die Tagesordnung! Außerdem werden vorwiegend junge Frauen aus dem Osten Europas für diese Jobs rekrutiert und in Nottingham angesiedelt. Hier befindet sich das Hauptquartier dieser Firma. Nottingham ist eine Stadt mit einen hohen Anteil an arbeitslosen Menschen. Dies schürt den Nationalismus in dieser Gegend enorm. Ohne der englischen Sprache mächtig zu sein, können Sie sich bestimmt vorstellen wie schwierig es ist, sich gegen Ungerechtigkeiten am Arbeitsplatz zu wehren bzw. Arbeitnehmerrechte wahr zu nehmen. Bei der Gewerkschaft gab es ebenfalls Meldungen von sexuellen Übergriffen. Diese Frauen zu erreichen und sie über ihre Rechte aufzuklären damit solche unmenschlichen Praktiken unterbunden werden ist fast unmöglich, da sie ja von den Stunden und Lohn abhängig sind und in ständiger Angst leben dies zu verlieren. Sex für Stunden aus Angst um die eigene Existenz. Unvorstellbar! Dies ist moderne Sklaverei, jedoch der politische Wille dieser Unternehmensführung. That´s the Employer!


 

Ein weiteres Horrorszenario ereignete sich dieses Jahr im Januar. Ein Lagerarbeiter namens Guntars Zarins (52) arbeitet sechs Tage die Woche im Hauptshirebrook Depot. In den Tagen vor seinem Zusammenbruch erlitt er grippeähnliche Symptome. Aus Angst vor Stundenkürzung und Arbeitsplatzverlust arbeitete er auch krank und ignorierte die Anzeichen. Nach seinem Zusammenbruch wurde er in das nächste Medical Center gebracht, um das angesammelte Blut aus dem Gehirn abrinnen zu lassen. Danach ist er ins Koma gefallen. Mittlerweile ist er wieder aus diesem erwacht, jedoch ist er gelähmt. Seiner Familie stellt sich nun einer quälenden Wartezeit mit wenig Aussicht auf Besserung bzw. Genesung.


 

Die letzte Horrorgeschichte, wobei ich meine Quelle zu ihren Schutz nicht preisgeben kann, ist das Grausamste und Widerwärtigste das ich je gehört habe. Als ich die Erzählung das erste Mal hörte, konnte ich es kaum glauben. Vor ein paar Wochen hat eine schwangere Frau Ihr Baby im Lager von Sports Direct versucht zu gebären und dabei verloren. Wie eingeschüchtert muss eine junge Frau sein um eine Schwangerschaft nicht wahr zu nehmen bzw. solch ein Szenario auf sich zu nehmen??? Aus Angst um Ihre weitere Existenz hat sie die Schmerzen einfach unterdrückt und jegliche Kontrolle eines Arztes bewusst verabsäumt.


Organisationen arbeiten nun an einer Strategie um diesen furchtbaren Arbeitgeber und seine unmenschliche Unternehmensführung ins Licht zu rücken. Ein mehrstufiger Plan steht bereit und beginnt am Montag dem 27. April 2015 auf BBC News um 20:00. (The Secrets of Sports Direct).

Weitere Maßnahmen werde ich zeitgemäß ankündigen um den öffentlichen Druck nicht nur in Großbritannien wachsen zu lassen. Solche skrupellosen Maßnahmen fordern internationale Solidarität und Zusammenarbeit. Ich bitte ich auch alle meine Freunde, speziell aus dem Fitnessbereich sich in Zukunft ganz genau zu überlegen, wo sie ihre Sportartikel kaufen oder empfehlen.

Ich hoffe Sie haben nun ein umfassendes Bild mit welchen Methoden, solch ein Unternehmen wie der Phönix aus der Asche entstehen konnte. Weiterhin bitte ich Sie auch in Zukunft zu überlegen, ob politische Parteien die Deregulierungen bzw. Liberalisierungen des Marktes fordern, wirklich wählbar sind, Einzug in unsere Gesellschaft finden sollten und wohin sich unsere Gesellschaft entwickeln soll.


Quellen: mündliche Überlieferungen, Channel 4,

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/arbeitsmarkt-britische-arbeiter-werden-schlecht-bezahlt-13547017.html

http://en.wikipedia.org/wiki/Mike_Ashley_%28businessman%29

http://www.theguardian.com/business/2013/jul/28/sports-direct-staff-zero-hour-contracts

https://glynismillward189.wordpress.com/2015/01/02/sports-direct-worker-too-scared-to-call-in-sick-is-left-paralysed-by-blood-clot/

http://www.theguardian.com/football/2014/jan/17/sports-direct-mike-ashley-newcastle-united-profile

http://www.schiebener.net/wordpress/truebe-aussichten-fuer-arbeitnehmerrechte-zero-hours-contracts-in-grossbritannien/

 

Solidarity with Colombian coal mine workers and communities

Sintracarbon ist die Gewerkschaft, die Arbeitnehmer im Bergbau, Kohle und Carbonproduktion sowie Extrahierung entlang der offenen Küste Cerrejon in der Provinz La Guajira (Kolumbien) vertritt und repräsentiert.

http://de.wikipedia.org/wiki/El_Cerrej%C3%B3n

Cerrejon ist im Besitz von drei in Londons börsennotierten Bergbauunternehmen:

Anglo American, BHP Billiton and Glencore

Sintracarbon kämpft für bessere Arbeitsbedingungnen, vor allem für besseren Schutz aller beschäftigten Abeitnehmer die in Minen arbeiten. Auch für diejenigen die durch Subvergaben dazu genötigt werden. Ausserdem kämpfen sie für beheimatete Familien die mit ihren bäuerlichen Landbesitz verdrängt wurden für Entschädigungnen. Arbeitnehmer und verdrängte Bauern unterstützen sich gegenseitig im Kampf für Gerechtigkeit gegen die Bergbauunternehmen.


Sintracarbons Präsident Jairo Quiroz und der Bildungsbeauftragte Sekretär Igor Diaz sind momentan in Großbritanien um bei der Hauptversammlung der Anglo Americans, am schottischen Gewerkschaftskongress und bei den internationalen Treffen von IndustriALL teilzunehmen und von Ihren Erfahrungen zu berichten.


Bei der Sitzung im Trade Union Congress an der ich teilnehmen durfte berichtete Igor Diaz von unglaublichen Zuständen die ich mir zuerst gar nicht vorstellen konnte.

Er sei sehr froh hier zu sein und fühle sich in diesem Gebäude sicherer als in einigen bei sich in Kolumbien. Die Arbeitgeber gehen sehr aggresiv gegen Gewerkschaftmitglieder vor. Er kommt gerade von einen 32-tägigen Streik aus Kolumbien wo für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft wurde. Unterstützung von der kolumbischen Regierung gibt es keine, denn diese Arbeitgeber schaffen schlussendlich Jobs. In Wirklichkeit sind die Zustände aber so schrecklich das täglich Menschen sterben aufgrund fehlender Sicherheitsmaßnahmen. Mit Hilfe von IndustriALL probiert Sintracarbon seit Jahren Solidarität bei anderen Gewerkschaften zu erwirken um eine gemeinschaftliche gewerkschaftliche Stärke zu entwickeln um gegen diese Missstände vorzugehen. Eines der größten Probleme sind Subvergaben und Out-Sourcing, da Arbeiter dadurch praktisch nirgends aufscheinen und sehr schwer zu organisieren bzw. es fast unmöglich ist, sie über Arbeitnehmerrechte zu informieren.


Ein weitere schrecklicher Aspekt ist die Ausbeutung von Ressourcen in Kolumbien.

Er berichtete aus einer Region aus der er kommt, wollte einer dieser Arbeitgeber einen Fluß umleiten der für viele Menschen das Überleben sicherte, nur um an die darunter liegenden Kohlevorkomnisse zu kommen und diese zu Profit zu machen.

Dies löste eine Proteste und Demonstrationen aus da der Lebensraum vieler Menschen am Spiel stand.Der Arbeitgeber konnte dies nicht verstehen immerhin schaffe er damit 1200 Jobs. Weiters hätte es noch sieben andere ökologisch günstigere jedoch teuerere Methoden gegeben um die darunter liegenden Rohstoffe zu extrahieren.

Mit Hilfe der Gewerkschaften wurde solch ein öffentlicher Druck erzeugt, sodass dieser Arbeitgeber die betroffenen Gemeinschaften und dort lebenden Community´s befragen musste. Der Arbeitgeber befragte auch 900 Arbeiter, die wenn dieser Fluß nicht umgeleitet werden würde ihren Job verlieren würden, und hoffte so das Ergebnis für sich zu manipulieren. Jedoch wurde mit anderen Gewerkschaften im Land für 700 weitere Arbeitsplätze gesorgt um die Stimme der Lohnabhängigen und unter Druck gesetzten Arbeiter zu bekommen. Das Ergebnis war ein großer Erfolg und fiel gegen die Umleitung aus!


 

Bei dieser Sitzung war ebenfalls der Vorsitzende des Fachbereichs Automobil und Produktion von TUC. Dieser berichtet, dass die Preise für importierte Kohle immer günstiger werden und gemeinsam dagegen gekämpft werden müsse um solche Szenarien zu vermeiden und die Ausbeutung zu stoppen. Es wird momentan an einem Abkommen gearbeitet, welches den Einkauf von diesen Rohstoffen nur mehr aus fairen und gewerkschaftlich geschützten Produktionsstätten erlauben soll.


Denn letzten Teil des Vortrages von Igor Diaz konnte ich nur mehr mit Tränen in den Augen verfolgen, da man die Verzweiflung und Hilflosigkeit der Arbeiter durch seine Erzählungen spühren konnte.

Das größte Problem in tiefen Bergwerken sei, dass dort ganze Familien arbeiten, keine Sicherheitsvorkehrungen herrschen und meißt Kinder eingesetzt werden um in tiefe Schächte zu gelangen, da diese sehr eng sind und Kinder von Ihrer Größe besser geeignet sind. Diese Prozedere kosten nicht selten Menschenleben. Maschinen mit denen Menschen arbeiten müssen, schlagen Metal aus Metal bzw. Stein. Das machen menschliche Knochen nicht lange mit. Die Reinigung dieser Maschinen werden mit hochaggresiven Chemikalien betrieben, welche die Arbeiter vergiften. Der aufkommende Schutt und Staub belegt langsam die Lunge und führt zu einem schmerzhaften Versagen der Atemwege.


Um diesen Vortrag nicht mit Trauer sondern mit Hoffnung zu beenden erzählte er auch von Brasilien wo er vor paar Wochen bei einem Meeting der Bergbaugewerkschaften war. Diese haben es erreicht einige Forderungen zu gunsten der Arbeiter durchzusetzen indem eine große internationale Kampagne initiiert wurde. Dabei wurden die Arbeitgeber mit Beschwerdebriefen von internatonalen Zusammenschlüssen „zugemüllt“ und der öffentliche Druck zwang sie in die Knie.

MIt einem Abschlussfoto und einem lauten „workers of the world unite“ wurde die Sitzung geschlossen.

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Austrian Embassy London

In meinem zweiten Blog-Eintrag möchte ich über das Treffen mit dem österreichischen Botschafter berichten.

Um 14 Uhr trafen sich Stefan Kronister und ich in dem eindrucksvollen Viertel Belgrave Mews.

Da hier mehrer Botschaften beheimatet sind war die Präsenz von Polizisten gegeben.

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Im ersten Stock sahen wir gleich die Servicestelle für Österreicher die z.B. Pass verlängern mussten. Näheres bei Aufgaben der Botschaft.

Fr. Weidmann, die persönliche Assistentin des Botschafters, empfing uns freundlich mit den Worten „Grüß Gott“ und begleitete uns in das Büro des österreichischen Botschafters Martin Eichtinger.

Nach einer kurzen Vorstellung berichteten wir bei einer Tasse Kaffee über unsere „Mission“ hier in England und über unsere umfassende Ausbildung, die SOZAK.

Sichtlich begeistert ergriff Herr Eichtinger das Wort und erzählte zuerst über die Geschichte der österreichischen Botschaft.

Es ist das einzige Gebäude des kuk österreichisch-ungarischen auswärtigen Dienst,welches heute von der österreichischen Diplomatie immer noch benutzt wird.

http://www.bmeia.gv.at/en/embassy/london/the-embassy/history-of-the-austrian-embassy.html


Danach wurde uns ein Einblick in das umfassende Aufgabenfeld der Botschaft gewährt.

  • die Anerkennung öffentlicher Dokumente nach dem Haager Übereinkommen
  • das Ausstellen von Lebensbescheinigungen für die Empfänger von österreichischen Renten
  • Namensänderungen z.B. nach Scheidungen
  • Austellung des Peronalausweises bzw. Reisepasses
  • Scheidungen
  • Auskünfte zur Staatsbürgerschaft (z.B bei Verlust)
  • Ausstellung eines Vorstrafenregisters

Herr Eichtinger erzählte uns das ca 30000 Österreicher in London leben und ca. 15000 bei der Botschaft registriert sind. Die Aufgaben der Botschaft gehen über die oben genannten Punkte jedoch weit hinaus. Zum Beispiel werden für bedürftigte Personen, die nach Österreich zurück reisen möchten, günstige Finanzierungen aufgestellt. In Todesfällen werden Überstellungen geregelt.

Besonders kümmert sich die österreichische Botschaft um die Zeitzeugen des Kindertransports in den 30er Jahren. Sie werden oft zu Schulen bzw. Veranstaltungen geladen um von Ihren Erfahrungen zu sprechen, damit dies niemals vergessen wird und einem Wiederholen dieser tragischen Zeit Einhalt geboten wird.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kindertransport


Sehr stolz berichtete der Botschafter über den steigenden britischen Tourismus in Österreich, der sein Potential nicht nur im Winter zum Schifahren habe, sondern auch im Sommer.

Die Briten lieben das Wandern in unseren wunderschönen Alpen- versicherte er uns.

 

Sichtlich erfreut berichtet uns der Botschafter von den tollen österreichischen Unternehmen die sich mittlerweile hier angesiedelt haben wie z.B. Frequentis

Ein Kommunikationsunternehmen welches international aus Meidling gesteuert wird und mittlerweile den britischen Markt „aufmischt“.

http://www.frequentis.com/de/at/home/

 

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Als Arbeitnehmervertreter habe ich es mir nicht nehmen lassen, auch eine kritische Anmerkung zu hinterlassen.

Als ich das letzte mal in London vor ca. fünf Jahren war hatte ich eine Erinnerung, die sich in meinem Kopf gefestigt hat.

Egal wie stressig es in London war, die britische Bevölkerung war mir immer als stets freundlich, zuvorkommend und sehr höflich in Erinnerung.

Ob in den Subways zur Rush Hour oder bei nicht enden wollenden Schlangen im Supermarkt. Diese Freundlichkeit war ich als typischer Wiener wahrscheinlich nicht gewohnt;-)

Als ich vor zwei Tagen das erste Mal einen Tesco besuchte war ich schockiert!

Ich bin es ja als Bänker gewohnt, dass alles automatisiert wird und der technische Fortschritt nicht aufzuhalten ist.

Doch meine Produkte selbst auf die Kassa zu legen, abzurechnen, Geld in einen Automaten zu stecken ohne ein freundliches menschliches „how are you“ zu ernten war für mich der Horror.

Soll das unsere Zukunft sein? Sofort musste ich an Alfred Dallingers Wertschöpfungsabgabe denken, der sich gerade bestimmt im Grabe umdreht.

Als Antwort wurde mir gekontert, dass diese Maschinen wunderbar sind.

Man bräuchte nicht mal mehr die Artikelnummer tippen, dieses Produkt wird schon allein durch sein Gewicht erkannt.

Weiters wurde mir prophezeit das in wenigen Jahren die Firma Amazon ihre Pakete per Drohne direkt vor die Tür zustellen werde.

Bei diesem Gedanken wurde mir schlecht und mein Magen verkrampfte sich, da ich erst vor kurzem Reportagen gesehen habe zu welchen militärischen Zwecke diese Drohnen genutzt werden und wie wenig Entscheidungsbefugnisse nötig sind, um das Töten im Kriegseinsatz zu legitimieren.

 

1st International Meeting IndustriALL

Am zweiten Tag meines Europapraktikums hatte ich die Möglichkeit an einem internationalen Meeting der IndustriALL teilzunehmen.

IndustriALL ist ein Zusammenschluss der Industriegewerkschaften, repräsentiert 50 Mio. Arbeiter aus den Bereichen Bergbau, Energie und Produktion in 142 Ländern.
Anlass dieses Meetings war ein besorgniserregender Arbeitgeber namens „Rio Tinto“.
http://www.riotinto.com/


 
IndustriALL hat einen umfassenden Bericht zusammengefasst mit Zeugen die erzählen wie die Arbeitsbedingungen bei diesem Arbeitgeber wirklich sind. Aus diesem Grund heißt dieses Werk auch:
Rio Tinto“ – The Way it really works
In diesem Werk gibt es zahlreiche Berichte wie Arbeitnehmerrechte nicht eingehalten werden und Arbeitnehmer systematisch ausgebeutet werden. Von unzureichender Entlohnung, untragbaren Arbeitszeiten bis zu gesundheitsgefährdenten Arbeitsmissständen.


 
“Can you imagine driving a haul truck? Right now they are doing three nights in a row with monotonous back and forth, back and forth, trying to stay awake for 12 hours. Now they have got to do it seven shifts in a row”
Ein Auszug aus einem Bericht aus Labrador.


IndustriALL möchte mit einer globalen Kampagne alle Mitarbeiter dieses Unternehmens erreichen und veranstaltet unter einer zentralen Leitung in den ansässigen Länder Events um diese Problematik der Ausbeutung mit Demonstrationen, Kundgebungen und öffentlichen Aktionen(z.B. Streiks) sichtbar zu machen bzw. auch um den öffentlichen Druck auf den Arbeitgeber zu erhöhen damit solche untragbaren Arbeitsbedingungen eingestellt werden.
Weiters wurde ein Memorandum von IndustriALL verfasst indem die Mitgliedergewerkschaften Forderungen aufgestellt haben und diese an den Vorstand von Rio Tinto geschickt haben.
Die zentralen Forderungen lauten:

  • Sofortiger Stop von Gewerkschafts-Bashing sowie eine Rückkehr zum Verhandlungstisch bezüglich Tarifverhandlungen in allen Ländern wo sie tätig sind
  • Rio Tinto soll bei Ländern die sich bemühen die ILO- Convention 176 zu Ratifizieren nicht stören, sondern solche Bemühungen unterstützen.
  • Arbeitnehmer sollen das Recht bekommen unsichere Arbeit ablehnen zu dürfen
  • Rio Tinto hat seine gesellschaftspolitische Verantwortung wahr zu nehmen. Dazu zählt auch das suchen nach Alternativen bei Personalabbau und das Zulassen von gewerkschaftlichen Enagement
  • Rio Tinto hat sich zu Tranparenz, Achtung und Repsekt vor dem Gesetz, und das Einhalten von Arbeitnehmerrechten zu verpflichten
  • Rio Tinto hat sofort prekäre Arbeitsverhältnisse auf das Minimum zu reduzieren und eine maximale Anzahl von Vollzeitbeschäftigungen zu schaffen.

Ich hatte die Ehre bei diesem Meeting unzählige Repäsentanten von anderen internationalen Gewerkschaften kennen zu lernen wie zum Beispiel Kemal Ozkan, den General Secretary Assistant von IndustriALL.

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Die Sitzung leitete der Direktor der Bildungsabteilung von UNITE Simon Dubbins, mit den Eröffnungsworten:
Dear Brothers and Sisters…(was mir sehr gefallen hat)
Aktuelle Berichte sowie der Ablauf der Kampagne wurden präsentiert und gewerkschafliche Maßnahmen diskutiert.
Mit den Worten: „Workers of the world unite” wurde die Sitzung für den ersten Tag beendet.

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Danach hat mir Simon Dubbins eine umfassende Präsentation über den Aufbau und Struktur von UNITE gezeigt und mir Einblick gewährt wie UNITE und die Labour Party zusammenarbeiten und welche aktuelle Schwierigkeiten es dabei gibt.