Der letzte Tag in Kopenhagen

Die Tage sind ruck zuck vergangen, nun ist er da, der Tag des Abschieds. Am letzten Tag präsentierte ich für die Kolleginnen und Kollegen das Österreichische System der Sozialpartnerschaft.

Nach Kaffee und hervorragendem Kuchen folgte der Abschied vom Team im „BAT-Kartellet“ Büro. Für Gunde, dem Chef, gab es als Abschiedsgeschenk einen österreichischen Nußschnaps. Damit nicht nur der dänische Aquavit im Büro bereit steht, wenn es mal wieder etwas zu feiern gibt 😉

Nun hoffe ich, dass wir gut nach Österreich kommen. Der Streik der deutschen Lokführer verkompliziert die Heimfahrt etwas…

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Rot und dunkelrot – politisches Dänemark

Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gewerkschaftsvereinigung „3F“ sind politisch – natürlich – links eingestellt. Viele bekennen sich zu den Sozialdemokraten, einige jedoch auch zu den Kommunisten. In manchen Gewerkschaftshäusern findet man auch kommunistische Fahnen, Bilder oder andere Dinge – wie die Fotos unten beweisen.

Noch in diesem Jahr stehen in Dänemark Parlamentswahlen an – der genaue Termin ist noch nicht bekannt. Derzeit regieren die Sozialdemokraten unter Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt gemeinsam in einer Koalition mit zwei anderen Parteien. Viele in der Gewerkschaft sind unzufrieden, da die Sozialdemokraten ihr versprochenes Programm – aufgrund von Blockaden der Koalitionspartner – nur zum Teil umsetzten können. Da erkennt man doch glatt Parallelen zu Österreich. Interessant zu sehen, das in anderen Ländern dasselbe Problem, oder besser gesagt, dieselbe Herausforderung gibt.

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Baustellentour durch Dänemark

In den letzten Tagen stand das Besuchen von Baustellen im Mittelpunkt. Gemeinsam mit zwei „BAT-Kartellet“ Mitarbeiterinnen und den lokalen „3F“ Gewerkschaftern besuchten wir Baustellen wo vorwiegend polnische Arbeiter tätig sind – für Firmen die keinem Tarifvertrag unterliegen. Die Informationen über die Baustelle erhält die Gewerkschaft über ein staatliches Portal, in dem alle ausländischen Firmen ihre Baustellen eintragen müssen.

Die BAT Kartellet Mitarbeiterinnen Agnieszka und Olla sind in Polen geboren und sprechen daher auch ausgezeichnet polnisch. Sie versuchen von den polnischen Arbeitern mehr Informationen über ihre Firma und ihre Arbeitsbedingungen zu bekommen und werden – wenn möglich – als Mitglieder geworben. Arbeiter aus Polen sind die mit Abstand größte ausländische Gruppe in der dänischen Baubranche und stellen im Kampf gegen Sozialdumping eine besondere Herausforderung dar.

Aus diesem Grund war ich auch 2 Tage lang in Aarhus, der zweitgrößten dänischen Stadt. Von der Größe vergleichbar mit Linz – nur mit Meerzugang aber dafür ohne Pöstlingberg. Die Stadt ist im Umbruch, es wird gerade viel gebaut, ehemalige Industriegebiete am Hafen müssen für schicke Apartments weichen. Außerdem befindet sich eine der größten Bauvorhaben des dänischen Staates in Aarhus: Aus 3 Krankenhäusern verstreut auf die Stadt wird hier derzeit eines aus dem Boden gestampft – eine riesige Baustelle, wo auch einige Arbeiter aus Deutschland anzutreffen sind.

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Immer und überall „7-Eleven“

Eines der ersten Dinge was einem in Kopenhagen auffallen muss, sind die vielen ‚7-Eleven‘ Shops. Sie sind über die ganze Stadt verstreut, an jeder Ecke, in jedem Bahnhof. Viele davon haben rund um die Uhr geöffnet. Überhaupt haben einige Lebensmittelgeschäfte bis spät in die Nacht offen. Auch an Sonntagen sperren viele Geschäfte auf. Möglich ist das seit der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten in Dänemark. Die wird hier übrigens mehrheitlich positiv gesehen.

Aber zurück zu ‚7-Eleven‘. Will man in Kopenhagen überleben, sind die Läden fast überlebenswichtig – bieten sie doch alles für den täglichen Bedarf. Von Kaffee und Getränken, über frische Snacks, Süßigkeiten bis hin zu Briefmarken und Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel. Also ich bin derzeit fast Stammgast in Läden von ‚7-Eleven‘. 😉7Eleven

Besuch bei der dänischen Elektro-Gewerkschaft

Die erste Herausforderung war, überhaupt in das Gebäude der dänischen Elektro Gewerkschaft (Dansk EL-Forbund) reinzukommen – alle Türen waren verschlossen und an die Gegensprechanlage ging niemand ran. Nach einer kurzen Wartezeit – mittlerweile standen 2 andere Kollegen und ich vor der Eingangstür – kam die Rezeptionistin und sperrte die Tür auf. Sie war frühstücken in der Kantine.

Jugendsekretär Simon Larsen empfing mich und erklärte mir den Aufbau der dänischen Elektro-Gewerkschaft und stellte mich den Kolleginnen und Kollegen vor. Ein wichtiger Punkt war die neue Ausbildung im Elektrobereich, diese wurde vor einem Jahr auf neue Beine gestellt. In Dänemark sind die Gewerkschaften sehr stark im Bildungsbereich involviert.

Am Nachmittag – nach einem Lunch – zeigte er mir gemeinsam mit dem aktuellen Jugendvorsitzenden eine große technische Schule in der Umgebung. De facto alle Schüler sind hier Gewerkschaftsmitglieder. Er darf in die Klasse kommen und die Jugendlichen für die Gewerkschaft werben. Das hätte ich in Österreich auch gerne!

Simon darf übrigens maximal 4 Jahre als Jugendsekretär für die Gewerkschaft arbeiten – dann muss er einem/r jüngeren Kollege oder Kollegin weichen.

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Besuch aus den USA

Diese Woche bekam die dänische Baugewerkschaft (BAT-Kartellet) Besuch von zwei Gewerkschaftern aus den Vereinigten Staaten. Konkret von Vertretern der Gewerkschaft für Zimmerleute (American Carpenters Union). Gemeinsam mit den amerikanischen Kollegen absolvierten wir ein intensives und interessantes Programm.

Wir besuchten Organisationen die sich um die Entwicklung von digitalen Anwendungen zur effizienteren Arbeitsweise im Bausektor angenommen haben. Außerdem besichtigten wir die Großbaustelle für die Erweiterung der Technischen Universität von Dänemark (DTU). Hier werden bis 2016 über 270 Millionen Euro (!) in neue Gebäude und Einrichtungen investiert.

Das aufregendste war aber natürlich die Abendgestaltung. Ein 7-Gänge Menü war mir bis jetzt komplett fremd – aber noch nie hab ich so gut gespeist! Und die ‚Amis‘ ließen es sich nicht nehmen, uns alle einzuladen – und bezahlten mit ihrer American Express Karte. Leider hab ich von den Kollegen aus den USA nur ein verschwommenes Bild, was wohl der späteren Stunde und einigen Gläsern Wein (unter anderem aus der Wachau) geschuldet ist….

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Termin beim Botschafter der Republik Österreich

Die österreichische Botschaft liegt in einer ruhigen Wohngegend ca. 5km vom Zentrum entfernt. Man hat fast den Eindruck es handelt sich um ein Wohnhaus von ‚etwas besser verdienenden Leuten‘ – wäre da nicht die Österreichfahne, die vor dem Gebäude weht.

Nach einer kurzen Wartezeit empfing mich der Botschafter Dr. Ernst-Peter Brezovszky herzlich. Bei Kaffee und Keksen wurde mit dem Botschafter über alle möglichen politischen Themen gesprochen. Natürlich wollte er auch mehr über meine Eindrücke von Dänemark wissen. Zum Gespräch gesellten sich anschließend noch seine Stellvertreterin sowie ein Mitarbeiter, der die „Konsularabteilung“ betreut, dazu. Schlussendlich lud mich der Botschafter noch zur „Send-Off-Party“ für die dänische Band „Anti Social Media“ ein, die Anfang Mai nach Österreich zum Song Contest fährt. Und da ich zum Zeitpunkt der Party noch in Kopenhagen bin, nahm ich die Einladung gerne an.

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Ein erstaunlicher Freitag

„Es wird ein guter Tag“ dachte ich mir bereits in der Früh. Das erste Mal seit meinem Aufenthalt in Kopenhagen strahlender Sonnenschein! Jeden Freitag gibt es im Büro ein typisch dänisches Frühstück – es besteht eigentlich fast nur aus Kohlenhydrate: Brötchen mit Butter und darauf wird eine Scheibe dunkler dänischer Schokolade gelegt. Schmeckt ausgezeichnet, zu vergleichen mit Nutella würd ich sagen. Und dann gab es noch sogenanntes „Wiener Brot“. Diese süße Blätterteigspezialität besteht aus einer Füllung Buttercreme und wird garniert mit Zuckerguss und Mandelsplitter.

Laut Reiseführer streikten 1850 die dänischen Bäcker und damit das Volk trotzdem sein tägliches Brot genießen konnte wurden Bäcker aus Österreich geholt – die ihre eigenen Rezepte mitbrachten. Die Österreicher waren sozusagen Streikbrecher! Aber diese Geschichte war zumindest hier im Gewerkschaftsbüro gänzlich unbekannt.

Aja und damit ich nicht nur über die kulinarischen Eindrücke berichte: Camilla, Mitarbeiterin im BAT Büro, gab mir einen Überblick über die dänische Bauindustrie. Der Staat investiert derzeit so viel wie schon lange nicht in die Infrastruktur. Genannt werden diese Projekte „Big Building Projects“. Darunter fallen alle Projekte über einem Auftragswert von rund 4 Millionen Euro. Alle Projekte sind über eine digitale Karte abrufbar. Sämtliche Informationen, von Auftraggeber bis hin zu den beauftragten Firmen und der Anzahl an Beschäftigten vor Ort, sind hier zu finden.

Und so sieht das aus: http://46.38.172.73/unv/3f/projekter1.html

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‚Live dabei‘: Abschluss eines Tarifvertrages

In Dänemark gelten für 72% aller Beschäftigten Kollektivverträge. In diesen sind der Mindestlohn, Arbeitszeit, Zulagen und viele anderen Dinge ähnlich wie in Österreich geregelt. Das System für den Abschluss eines Kollektivvertrages differenziert aber stark.

Ich bin unterwegs mit Keld Jensen, von der dänischen Baugewerkschaft auf eine Baustelle 25km von Kopenhagen entfernt. Dort arbeitet eine schwedische Firma die keinem Kollektivvertrag unterliegt.

Jede/r Arbeitgeber/in kann selbst entscheiden, ob sie einen Kollektivvertrag unterschreibt, oder eben nicht. Der Umstand dass trotzdem für ¾ der dänischen Beschäftigten Kollektivverträge gelten ist den Gewerkschaften zu verdanken. Sie treffen sich mit dem Firmeneigentümern und dem Arbeitgeberverband, damit ein Kollektivvertrag vereinbart wird. Unterschreibt der Eigentümer nicht, folgen weitere Aktionen bis hin zu einer Bestreikung des Betriebes.

Wir waren an diesem Tag erfolgreich, der Chef der schwedischen Firma unterschrieb den Vertrag mit der Gewerkschaft und dem Arbeitgeberverband. Ab diesem Zeitpunkt gilt der Kollektivvertrag für die Beschäftigten der Firma. Außerdem verpflichtet sich der Arbeitgeber mit der Unterzeichnung, alle Lohnunterlagen zur Kontrolle an die Gewerkschaft zu übermitteln.

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Der erste „Arbeitstag“

Am ersten Tag wurde ich im Gebäude der Gewerkschaftsvereinigung „3F“ mitten im Zentrum von Kopenhagen herzlich von Gunde Odgaard empfangen. Er ist sozusagen leitender Sekretär der Bau- und HolzarbeiterInnen Gewerkschaft in Dänemark.

Bei Kaffee und Kuchen wurden die nächsten Tage besprochen und ich bekam sogar schon ein Programm für den ganzen April. Auch ein eigener Arbeitsplatz stand für mich bereit. Eine Zutrittskarte für das Gebäude wurde mir ebenfalls überreicht. Jetzt kann ich Tag und Nacht ein- und aus spazieren.

Eindrucksvoll bestätigt bekam ich meine Befürchtung, dass meine Englisch Kenntnisse nicht ausreichen. Aber ich bemühe mich und hoffe das wird noch so einigermaßen. Meine GesprächspartnerInnen zeigen jedenfalls viel Verständnis 🙂

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